25 Jahre Technologiepark - Neue Strategie unter neuer Dachmarke

Mitteldeutschlands größter Technologiepark Weinberg Campus feiert Geburtstag. 25 Jahre ist es her, dass sich hier die ersten Startups aus dem Life-Sciences- und Material-Sciences-Bereich ansiedelten und Halles Wandel vom klassischen Industrie- zum Technologiestandort einleiteten. Mit über 200 Firmengründungen, einer Standortinvestition von einer Milliarde Euro und aktuell rund 100 ansässigen Unternehmen steht der Standorterfolg außer Frage. Und doch ist von Verschnaufen keine Rede. Mit Blick aufs Jubiläumsjahr kündigt TGZ-Geschäftsführer Dr. Ulf-Marten Schmieder neue Bauvorhaben und Weichenstellungen an, die den Standort international sichtbarer machen und damit wettbewerbsfähig halten sollen.  

Herr Dr. Schmieder, Sie wollen das Jubiläum hauptsächlich dazu nutzen, um nach vorn zu blicken …

Dr. Ulf-Marten Schmieder: Richtig, wir stehen momentan vor großen Herausforderungen und im harten Wettbewerb. Unser Standort, der fortan unter dem Label „Technologiepark Weinberg Campus“ vermarktet wird, muss fit für die Zukunft gemacht werden. Deshalb haben wir mit dem Aufsichtsrat eine Zukunftsstrategie erarbeitet, wie sich TGZ und Bio-Zentrum in den nächsten Jahren aufstellen.

Worum geht es in dieser Strategie?

Dr. Ulf-Marten Schmieder: Im Grunde leitet sich die Strategie von der im Technologiepark angestrebten Wertschöpfungskette „forschen – gründen – unternehmen“ ab. Kern unseres Geschäfts im Technologiepark ist die Vermietung von hochspezialisierten Räumlichkeiten. Der wesentlichere Anteil unserer Arbeit liegt aber außerhalb dieser Dienstleistung und betrifft den gesamten Komplex der Gründung, Ansiedlung und Entwicklung von technologieorientierten Unternehmen. Dafür brauchen wir eine leistungsstarke Forschungsinfrastruktur, die uns die Universität und Forschungseinrichtungen garantieren. Darauf aufbauend müssen wir Gründern attraktive, zeitgemäße Angebote machen. Dazu gehören neben moderner Infrastruktur für Forschung und Entwicklung jedwede Dienstleistungen, die im Sinne des Business Development zum unternehmerischen Wachstum beitragen können.

Welche Neuigkeiten gibt es bei der Umsetzung dieser Zukunftsstrategie?

Dr. Ulf-Marten Schmieder: Wesentlich ist, dass wir in den nächsten Jahren zwei neue Gebäude errichten werden: eines für Informationstechnologie und Softwareentwicklung sowie eines für die bisherigen Kernbranchen des Technologieparks. Mit diesen Schritten wollen wir neue Impulse für die Entwicklung von wachstumsorientierten Unternehmen aus den Bereichen Bio- und Life Sciences, Medizin, Material Sciences und Bioökonomie geben. Besondere Berücksichtigung finden hierbei Innovationen, die durch die Digitalisierung entstehen. Die inhaltliche und technische Ausstattung werden wir mit den Standortpartnern festlegen, um die Investitionen zukunftssicher zu machen.

Aber Baumaßnahmen sind ja bereits am Weinbergweg 23 im TGZ I erkennbar. Was passiert dort?

Dr. Ulf-Marten Schmieder: Im März dieses Jahres werden wir dort gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität den „Weinberg Campus Innovation Hub“ einweihen.  Also in jenen Räumlichkeiten, wo einst alles begann. Das Gebäude wird quasi zur Gründergarage, in der die gesamte Startup-Szene des Weinberg Campus an einem Ort gebündelt sein wird. Das hat Vorteile. Denn potenzielle Gründer können sich hier austauschen, gemeinsam auf Technik und Ressourcen zurückgreifen, Labore, Büros und Konferenzräume kostengünstig nach Co-Working-Manier nutzen. Zudem konzentrieren wir hier die komplette Gründerberatung, also Univations, den Gründerservice der Universität und darauf aufbauend unser neues Landesprojekt „AIMS“ (Accelerate Innovation in Material- & Life-Sciences). Gemeinsam geht es darum, das Wachstum junger Technologieunternehmen beim Infrastruktur- und Technologiezugang, beim Business Development, im Vertrieb, bei der Internationalisierung und der Finanzierung durch erfahrene Mentoren, Business Angels und Partner aus der Industrie zu unterstützen. Neu ist zudem, dass jetzt auch die Erfinderberatung der IHK Halle-Dessau im „Weinberg Campus Innovation Hub“ stattfindet.

Wohin entwickelt sich die Gründerszene in den nächsten Jahren?

Dr. Ulf-Marten Schmieder: Es wird momentan aus konjunkturellen Gründen weniger gegründet. Aus meiner Sicht haben wir aber eine gute Stabilität bei den qualitativ hochwertigen Gründungen erreicht. Diesbezüglich positionieren wir uns klar: Wir wollen fachlich exzellente, vorrangig naturwissenschaftlich-technisch orientierte Startups fördern. Voraussetzung ist eine erkennbare Wachstumsstrategie. In diesem Sinne werden wir gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität zusätzlich zu den bestehenden Gründungsinkubatoren mit der Eröffnung des Innovation Hubs neue Bereiche einweihen. Dabei handelt es sich unter anderem um Werkstätten und Labore des Ideen-Inkubators Scidea. Auch dafür wurde das Gebäude bereits für rund eine halbe Million Euro modernisiert. Weitere Investitionen folgen 2018 und 2019.

Als Sie 2014 Ihre Arbeit als Geschäftsführer antraten, haben Sie eine neue Marketingstrategie angekündigt. Was hat sich auf dieser Ebene getan?

Dr. Ulf-Marten Schmieder: In globalisierten Zeiten geht es darum, wie wir die Standortattraktivität den sich ändernden Anforderungen entsprechend gestalten und eine international noch stärkere Wahrnehmung erreichen. Auf dem Weinberg Campus können wir hierbei auf die hervorragende Entwicklungsarbeit durch die Universität, die Forschungseinrichtungen sowie insbesondere auch meines Amtsvorgängers Professor Wolfgang Lukas und der Aufsichtsräte des TGZ aufbauen. Zukünftig gilt es, der Außendarstellung mehr Modernität, Interaktivität und Internationalität zu geben. In diesem Sinne wurde ein neues Design unter der Dachmarke „Technologiepark Weinberg Campus“ entwickelt. Das alles findet sich seit kurzem im neuen Webauftritt www.technologiepark-weinberg-campus.de wieder. Zum aktiveren Marketing gehört auch, dass wir fast täglich die sozialen Netzwerke bespielen, unser Infomaterial völlig neu gestaltet und innovative Veranstaltungsformate etabliert haben. Im Fokus stehen nunmehr die Innovationen, Erfolge und Köpfe der Forscher, Gründer und Unternehmer des Standorts. Bereits zu den deutschen TOP 10 gehörend, wollen wir dadurch unsere Positionierung gegenüber den großen Technologie-Standorten weiter stärken.

Welche Herausforderungen stellen sich noch?

Dr. Ulf-Marten Schmieder: Wir müssen als Mitteldeutsche Region noch geschlossener auftreten – auch als Verbund von Gründerzentren. Im letzten Jahr haben wir viel erreicht und enge Kooperationen angeschoben, etwa mit dem Mitteldeutschen Multimediazentrum Halle und dem Merseburger Innovations- und Technologiezentrum MITZ. Darüber hinaus sind wir im Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V. aktiv.

Das Interview führte Michael Deutsch.

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