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Infektionen als "indirekte" Karzinogene

n. n.
10.12.2020, 17:00 Uhr

Der Förderverein weinberg campus e. V. veranstaltet am Donnerstag, dem 10. Dezember 2020, erstmalig das Format "Weinberg Campus Lecture", zu dem hochkarätige WissenschaftlerInnen und Vertreter der aus Wirtschaft und Politik eingeladen werden. 

Der erste Gast in dieser Veranstaltungsreihe wird Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Harald zur Hausen sein, der im Jahre 2008 den Nobelpreis für Medizin erhielt. 

Zum Vortrag

Bei Menschen bis heute nachgewiesene Tumorviren (z.B. Epstein-Barr Virus, humanes Herpesvirus Typ 8, Polyoma- und Papillomviren, T-lymphotropes Retrovirus) persistieren mit ihrem Genom oder spezifischen Genen in infizierten Zellen. Die Transformation empfänglicher Zellen wird durch spezifische Genfunktionen bedingt, meist in Kombination mit Mutationen im Wirtszell-Genom.

Epidemiologische Untersuchungen führten zur Vermutung, dass Infektionen über den Verzehr von Milchprodukten und „rotem“ Fleisch Dickdarm- und Brustkrebs auslösen. Wir versuchten solche Faktoren aus Milch und Blut unserer Milchrinder zu isolieren. Das führte zur Identifizierung von mehr als 100 unterschiedlichen Einzellstrang DNA-Molekülen, die wir als bovine Milch- und Fleischfaktoren (milk and meat factors – BMMFs) in 2 Untergruppen charakterisierten. Alle wiesen Verwandtschaft zu spezifischen Plasmiden von Acinetobacter baumannii auf, aber auch Charakteristika von Viren. Erste Versuche deren DNA in humanen Krebszellen nachzuweisen waren ergebnislos. Monoklonale Antikörper gegen ein Hauptprotein (Rep) von Vertretern einer Untergruppe (BMMF-1) ermöglichten den Nachweis intensiver spezifischer Färbesignale in unmittelbarer Nachbarschaft, aber außerhalb der Drüsenzellen des Dickdarms (Lieberkühn‘ Krypten), von denen Polypen und später Karzinome ausgehen.

In den gleichen Bereichen ließen sich CD68-positive Makrophagen aufzeigen, was zu Versuchen zum Nachweis von reaktiven Produkten (8-Hydroxyguanosin) durch Sauerstoff-Radikale als Hinweis für aktive Entzündungs-prozesse führte. Die Ergebnisse zeigten auf, dass diese Reaktion zu zufälligen Mutationen in DNA-replizierenden Drüsenzellen, aber auch zu Punktmutationen in persistierender und replizierender BMMF-1 DNA führten. Wir interpretieren dies als indirekte Karzinogenese. Krebs ist hier das Resultat zufälliger Mutationen in spezifischen „driver-Genen“ ist – als Konsequenz chronischer Entzündungen, ausgelöst durch Infektionen, die aus Kuhmilch nach dem Abstillen viele Jahrzehnte vor der Dickdarmkrebs-Entwicklung zustande kommen.

Ähnliche Ergebnisse erhielten wir bei Brust- und Prostatakrebs. In jedem Fall waren die Krebszellen selbst BMMF-DNA negativ. Benachbarte Zellen zeigten aber das gleiche Färbemuster wie die interstitiellen Zellen (lamina propria) des Dickdsarms. Die Ernährung im frühen Lebensalter ist offensichtlich ein wichtiger Faktor für diese Krebserkrankungen des späteren Lebensalters. Unsere Ergebnisse erklären den Schutzeffekt Entzündung-hemmender Medikamente (z.B. Aspirin) und die Risiken des Verzehrs von „rotem Fleisch“ (von eurasische Milchrinder).

Zur Person

Harald zur Hausen studierte Medizin an den Universitäten Bonn, Hamburg und Düsseldorf, wo er auch promovierte. Nach einer zweijährigen Medizinal-Assistentenzeit erhielt er seine Approbaiton als Arzt. Er arbeitete als Postdoc am Institut für Hygiene und Mikrobiologie in Düsseldorf und als Assistant Professor of Virology am Children's Hospital in Philadelphia, war Oberassistent am Institut für Virologie der Universität Würzburg und leitete als Professor und Gründungsdirektor das Institut für Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1977 wurde er auf den Lehrstuhl für Virologie an die Universität Freiburg berufen. Von 1983 bis 2003 war er Vorsitzender und wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstandes des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. 2003 trat er von dieser Position zurück.

Prof. zur Hausen ist Träger zahlreicher nationaler und internationaler Preise, darunter der Robert-Koch-Preis, der Charles S. Mott Preis der General Motors Cancer Foundation, der Federation of the European Cancer Societies Clinical Research Preis, der Paul Ehrlich und Ludwig Darmstädter-Preis, der Jung-Preis, Hamburg, der Charles Rudolphe Brupbacher Preis, Zürich, der Prince Mahidol-Award, Bangkok, der Raymond Bourgine Award, Paris, der Coley-Award, New York, der Life Science Achievement Award of the American Association for Cancer Research, San Diego und der Nobelpreis für Medizin 2008, Stockholm.

Ihm wurden 30 Ehrendoktorwürden der Universitäten von Chicago, USA, Umeå, Schweden, Prag, Tschechische Republik, Salford undWarwick, Großbritannien, Helsinki, Finnland, Erlangen-Nürnberg und Würzburg, Deutschland, PisaFerrara und Salerno, Italien, Buenos Aires, Argentinien, Warschau, Polen, Madrid, Spanien, Melbourne, Australien, Los Angeles, USA, Jerusalem, Israel, Besançon, Frankreich, Bucaramanga, Kolumbien, Valdivia, Chile, Ljubljana, Slowenien, Antwerpen, Belgien,  New York, USA, Ho Chi Minh City, Vietnam, Porto AlegreBrasilien, Ioannina, Athen und Patras, Griechenland, Guadalajara, Mexiko, Nishny Nowgorod und Tomsk, Russland, Pleven, Bulgarien, Santiago, Chile verliehen.

Er ist gewähltes Mitglied vieler Akademien (LEOPOLDINA, Heidelberg Academie der Wissenschaften, Polish Academy of Sciences, Venezuela National Academy of Medicine, American Philosophical Society, Institute of Medicine of the National Academy of Sciences (USA), Internationales Mitglied von National Academy of Sciences, USA und Forschungseinrichtungen wie EMBO und HUGO, und ist Ehrenmitglied zahlreicher biomedizinischer Gesellschaften. Eine große Anzahl von Gastprofessuren, Mitgliedschaften in Editorial Boards und die aktive Mitwirkung an der Organisation von internationalen Tagungen ergänzen seinen Lebenslauf.

Von 1989 bis 1991 leitete er die Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen in Bonn. Von 1993 bis 1996 war er als Präsident der Organisation der Europäischen Krebsinstitute (Organisation of European Cancer Institutes, OECI) tätig. Von 2000 bis 2009 war zur Hausen Editor-in-Chief des International Journal of Cancer, von 2006 bis 2009 Mitglied des Board of Directors der International Union against Cancer (UICC) und von 2003 bis 2009 Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften LEOPOLDINA in Halle. Von 2006 bis 2015 war er Mitglied des Scientific Council of the National Science Tansfer and Development Agency in Bangkok, Thailand.

Quelle Text: Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

Quelle Bild: DKFZ T Schwerdt3

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