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Minister Willingmann verleiht Hugo-Junkers-Preise 2019

Minister Prof. Dr. Armin Willingmann hat gestern die „Hugo-Junkers-Preise für Forschung und Innovation aus Sachsen-Anhalt 2019“ verliehen. Zwölf Preisträger in vier Kategorien erhielten im Technikmuseum „Hugo-Junkers“ in Dessau-Roßlau die mit insgesamt 80.000 Euro dotierten Auszeichnungen. In diesem Jahr hatten sich 79 zukunftsweisende Projekte und Produkte aus Wirtschaft und Wissenschaft beworben. Die Sieger in den vier Kategorien sind:

Kategorie: „Innovativste Vorhaben der Grundlagenforschung“
1. Preis Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Magdeburg
Prof. Dr. Alexander Dityatev, Dr. Hristo Varbanov, Prof. Dr. Rita Gerady-Schahn
Innovationstitel: Behandlung von Demenz und psychischen Störungen mit natürlichen Glykanen (PolySia)

Krankheiten wie Schizophrenie, bipolare Störung, Depression und Demenz bedeuten auch Gedächtnisverlust. Grund dafür ist eine Störung der Synapsen, die im Gehirn Informationen übertragen. Sind Menschen erkrankt, werden die Rezeptoren dieser Nervenzellen zu stark aktiviert und auf lange Sicht sterben Neurone ab. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) hat einen körpereigenen Hemmstoff entdeckt – das Glykan PolySia. Es kann dazu beitragen, dass Schäden am Gedächtnis wieder geheilt werden, ist jedoch als Therapeutikum ungeeignet. Deshalb hat das DZNE einen ähnlichen Stoff gesucht und dabei bestimmte längenoptimierte Glykane identifiziert. Werden diese verabreicht, gelangen sie ins Gehirn, hemmen bei Mäusen die Rezeptoren und können das Gedächtnis wiederherstellen. 

Kategorie: „Innovativste Projekte der angewandten Forschung“
1. Preis: WTZ Roßlau gGmbH
Dr. Christian Reiser, Manuel Cech, Matthias Knape, Tobias Ehrler, Titus Tschalamoff
Innovationstitel: Zero-Emission-Kreislaufmotor zur Rückverstromung von grünem Wasserstoff  

Der Zero-Emission-Kreislaufmotor könnte schon bald der fehlende Baustein in der Energiewende sein. Wasserstoff und Sauerstoff werden bedarfsgerecht rückverstromt – bei vollständiger Emissionsfreiheit. Der Motor arbeitet im Wesentlichen wie ein gewöhnlicher Hubkolbenmotor, aber ohne klassische Ansaugung und Auspuff. Als Treibstoff dient Wasserstoff, der mittels Druckelektrolyse regenerativ erzeugt wird. Über elektronisch gesteuerte Gaseinblaseventile wird er mit hohem Druck direkt in den Brennraum eingebracht. Für die Verbrennung braucht es auch Sauerstoff. Doch Ansaugluft enthält Stickstoff und die Verbrennungstemperaturen sind hoch. Deshalb entstehen bei der Wasserstoffverbrennung unter atmosphärischen Bedingungen umweltschädliche Stickoxide. Die WTZ Roßlau gGmbH verwendet im Kreislaufprozess daher Reinsauerstoff aus der Elektrolyse. Der Sauerstoff wird über einen Gaszumischer dem Inertgas zugemischt und über das Einlassventil angesaugt. Im Brennraum wird das Gasgemisch wie beim hybridisierten dieselähnlichen Brennverfahren mittels Glühzündung entzündet. Das Gas breitet sich aus und setzt den Kolben in Bewegung. Über die Pleuelstange wird diese translatorische Bewegung in eine rotatorische Bewegung der Kurbelwelle umgesetzt, welche einen Generator antreibt. Dieser wandelt die Bewegungsenergie schließlich in elektrische Energie um. Das neue Brennverfahren ist wirkungsvoller als luftansaugende Motoren und zugleich emissionsfrei. Es entsteht lediglich Wasserdampf, der wieder in den Kreislauf übergeht. 

Kategorie: „Innovativste Produktentwicklung/Dienstleistungen/Geschäftsmodelle
1. Preis: ScobyTec, Leipzig (Produktion soll in Sachsen-Anhalt aufgebaut werden)
Carolin Wendel, Carolin Schulze, Bernhard Schipper
Innovationstitel: ScobyTec BNC – Lederersatz 

Leder herzustellen, bedeutet giftige Chemikalien, hohen Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß bei der Rinderzucht sowie viel landwirtschaftliche Nutzfläche. Herkömmliche Kunstleder basieren wiederum auf Erdöl. Mit „ScobyTec BNC“ gibt es jetzt eine neuartige vegane Alternative auf Basis bakterieller Zellulose. Diese wird durch Fermentation gewonnen und bildet ein dichtes Vlies. Eine spezielle Nährmittelrezeptur versetzt die eigens gezüchtete symbiotische Kultur in die Lage, ihren Stoffwechselprozess über einen extrem langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Dabei entsteht ein Vlies mit hoher Schichtdicke und Materialstabilität. Für die weiteren Verarbeitungsschritte erarbeitete ScobyTec einen Prozess, der den Stoff stabil, flexibel und geschmeidig wie Leder macht. Das Produkt ist frei von chemischen Zusätzen und somit biologisch abbaubar. Der gesamte Prozess ist standardisiert und ermöglicht große Produktionsmengen. Die Industrie kann ScobyTec BNC wie herkömmliches Leder verarbeiten und muss Maschinen nicht umstellen. Anwendungsgebiete liegen in nachhaltigen Alternativen bei Autoledersitzen, Handtaschen oder auch Lederschuhen, die hohen mechanischen Belastungen standhalten müssen. 

Kategorie: Sonderpreis „Innovativste Projekte in den Bereichen Mobilität und Logistik“
1. Preis: TWINNER GmbH, Halle (Saale)

Team TWINNER
Innovationstitel: Digital Twinn® - Der Autoscanner der Zukunft 

Visuelle Abbilder eines Fahrzeugs sind nicht neu: Fotos der Außenhülle und des Innenraums sollen die Verkaufsentscheidung erleichtern. Doch die Twinner GmbH in Halle (Saale) geht deutlich weiter – sie digitalisiert das ganze Fahrzeug und erstellt so einen virtuellen „Zwilling“, den Twinner. Er zeigt mehr, als das bloße Auge erkennen könnte. Neben Bilddaten enthält er technische Daten, Markierungen und Analysen. Sie ermöglichen, das Objekt auch aus der Ferne vollständig zu begutachten. So revolutioniert der Twinner die Art, ein Fahrzeug zu betrachten und zu bewerten. Dafür wurde eigens Software und Hardware entwickelt wie der hochmoderne Scanner Twinner Space. Mit ultrahochaufgelösten und optimal ausgeleuchteten 360-Grad-Ansichten von innen, von außen sowie vom Unterboden zeigt er jedes optische Detail. Dellen oder Rost sind am Bildschirm ebenso erkennbar wie Reifenprofiltiefe oder Farbunterschiede im Lack. Anhand der Fahrzeug-Identifikationsnummer werden die technischen Daten und Ausstattungsmerkmale zum Zeitpunkt der Erstauslieferung ergänzt. Alle Informationen werden professionell aufbereitet und in einem Cloud-Speicher abgelegt. Dort sind sie jederzeit verfügbar und zugleich vor dem Zugriff Dritter geschützt. Unabhängig von Ort und Öffnungszeiten können Interessenten über den Kauf entscheiden, Verkäufer das Produkt bewerben oder Gutachter Schäden einschätzen. Letztere Möglichkeit wird mithilfe von künstlicher Intelligenz immer weiter ausgebaut. Das Unternehmen strebt an, das „Twinnen“ bald zum Standard zu machen. 

Für Willingmann ist der Hugo-Junkers-Preis „das Schaufenster für innovative Ideen und kluge Köpfe aus Sachsen-Anhalt“. Er sagte: „Ich freue mich, dass wir die Ideengeber von morgen auszeichnen können; sie bringen Sachsen-Anhalt mit Mut und Kreativität voran. Ganz im Sinne des Flugzeugpioniers Hugo Junkers trifft exzellente Forschung auf praxisorientierte Entwicklung und marktfähige Innovationen. Die großartigen Leistungen unserer klugen Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft gestalten Zukunft und gehören daher unbedingt ins Rampenlicht.“

Weitere Informationen zu den Projekten, Fotos von der Preisverleihung und Filme zu den Preisträgern finden Sie unter www.hugo-junkers-preis.de.

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt

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