Nachhaltiger Weinbau nicht nur für die Saale-Unstrut-Region

Auf die Frage, was der Weinberg Campus eigentlich mit Weinbau zu tun habe, lautet die Standard-Antwort, dass hier bereits vor 800 Jahren die ersten halleschen Weinberge angelegt wurden. Heute ist, bis auf einen kleinen Modell-Weinberg unweit des Eisdoms in der Blücherstraße, kaum etwas davon übrig geblieben. Ein „alteingesessenes“ Unternehmen am Technologiepark schickt sich nun an, die Verbindungen zum Thema Weinbau wieder herzustellen.

Die GNS – Gesellschaft für Nachhaltige Stoffnutzung mbH beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, damit, für Naturstoffe, Reststoffe und Abfälle aller Art nachhaltige Lösungen zur Nutzung, Verwertung und Kreislaufschließung zu finden. In einem patentierten Herstellungsprozess werden beispielsweise aus Gärrückständen hochwertige Pflanzenfasern gewonnen, die vergleichbare oder bessere Gebrauchs- und Verarbeitungseigenschaften haben als konventionelle Materialien, welche für die Herstellung von Papier und Verpackungen verwendet werden. Produkte aus diesen Materialien werden von GNS gemeinsam mit Partnern unter dem Markennamen Magaverde entwickelt, produziert und vermarktet. Neben Verpackungsmaterial oder Papieren für den Künstlerbedarf ist auch ein Mulchpapier entstanden, welches sich für den Einsatz im Weinbau eignet.

Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut ist zum großen Teil Schutzgebiet für die Grund- und Quellwassergewinnung, deshalb wird nach Lösungen gesucht, beim Anbau auf chemische Herbizide und Pestizide verzichten zu können. Genau hier kommen die Mulchmatten von GNS ins Spiel. Sie sollen unerwünschten Unkrautbewuchs im unmittelbaren Bereich der Weinreben verhindern. Neben diesem mechanischen Schutz vor Unkraut haben die Matten weitere Vorteile: Regenwasser wird auch bei Steillage des Weinberges direkt an den Weinstamm geleitet. Es sickert durch die Matten und der Boden wird gut durchnässt. Nach dem Abtrocknen bleibt der Boden unter den Matten länger feucht und wird gleichzeitig vor Austrocknung, Wind und starker Sonneneinstrahlung geschützt. Die Mulchmatten zersetzten sich nach einer Saison und führen auf diese Weise dem Boden zusätzlichen Humus zu.

Das Modellprojekt „Nachhaltiger Weinbau mit Unkrautschutz durch biologisch abbaubare Mulchmatten im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut“ soll bis 2022 auf Musterflächen der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut und des Landesweingutes Kloster Pforta den Einsatz der Mulchmatten vom Weinberg Campus als Unkrautschutz demonstrieren. Mit den Partnern sollen Verlege-Techniken erprobt, die Effekte durch die Mulchmatten wissenschaftlich bewertet und übertragbare wirtschaftlich nachhaltige Modelle entwickelt werden, welche zur Stärkung von Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit des Weinbaus in der Region und darüber hinaus führen. Neben den beiden namhaften regionalen Weinbau-Partnern aus Freyburg und Bad Kösen (Kloster Pforta) ist das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e. V. bei dem Projekt im Rahmen der Bundesfördermaßnahme „Unternehmen Revier“ mit von der Partie.

Aber Dr. Ute Bauermeister, die Geschäftsführerin der GNS GmbH, denkt bereits über die Grenzen der Weinbauregion Mitteldeutschland hinaus und hat eine Kooperation mit dem klassischen Weinbau-Land Frankreich angeschoben.

„Wir hoffen, mit unserer Initiative, einen lebhaften Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und französischen Weinbauern auf die Beine zu stellen. Interesse haben, zusätzlich zu Sachsen-Anhalt, bereits VertreterInnen aus Anbaugebieten in Baden-Württemberg, Niedersachsen, der Cote d’Azur, dem Gebiet um Grenoble und der Champagne bekundet“, so Ute Bauermeister. Konkret ist ein deutsch-französischer Workshop im Herbst 2021 in Halle (Saale) geplant. Ein Vorbereitungstreffen dazu fand bereits im Dezember 2020 am Weinberg Campus statt.

Foto: GNS GmbH, Mulchmatten am Weinberg

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