Dr. Dominik Lausch

Teamleiter Fraunhofer CSP
CEO DENKweit GmbH

Herr Dr. Lausch können Sie sich bitte kurz vorstellen! Wo arbeiten Sie? Was steckt hinter Ihrer Gründungsidee?

Ich arbeite beim Fraunhofer CSP an einer Unternehmensgründung, die darauf basiert, dass in Solarmodulen häufig Defekte zu finden sind. Gerade in letzter Zeit erhöhen sich die Defektraten trotz des hohen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolges der Photovoltaik. Die Produkte müssen eigentlich 25 bis 30 Jahre halten, aber es gibt bisher keine gute Methode, um sowohl im Feld als auch in der Produktion Defekte zuverlässig zu lokalisieren.

Meine erfinderische Idee beruht drauf, dass in den Solarmodulen ortsverteilt elektrische Ströme fließen und jeder fließende Strom ein Magnetfeld generiert. Das bedeutet, dass ein funktionierendes Solarmodul einen recht typischen Magnetfeld-Fingerprint hat und jeder elektrische Defekt, der den Wirkungsgrad reduziert, damit eine Änderung dieses typischen Stromflusses und damit auch eine Änderung dieses typischen Magnetfeldes verursacht. Wir analysieren diese Magnetfelder flächig und können dann auf die fließenden Ströme zurückschließen. Das Besondere ist, dass das tatsächlich so noch niemand gemacht hat.

Mit unserer Idee haben wir uns bei der Fraunhofer-Gesellschaft auf ein so genanntes Innovator-Programm beworben und haben eine Million Euro für die Umsetzung bekommen. Mit dem Fraunhofer IZM haben wir einen Zeilensensor entwickelt, um Magnetfelder zu messen. Das heißt, man kann diesen Sensor einfach über Solarpanels ziehen und sieht dann, wie die Ströme fließen und ob und welche Defekte vorhanden sind. Das Besondere für die Fraunhofer-Gesellschaft ist, dass das mit jedem beliebigen elektrischen Gerät funktioniert. Man kann den Sensor über ein Handy, eine Kamera oder irgendetwas anderes ziehen. Zurzeit schauen wir uns mit der Firma enspring, hier vom Campus, den Lade- und Entladezyklus von Batterien intensiv an. Das ist für die E-Mobilität von hoher Relevanz.

Um die gewonnenen Daten zu klassifizieren und auszuwerten haben wir zusätzlich neuronale Netze entwickelt, das Stichwort heißt: „Machine Learning“. Viele denken dabei an künstliche Intelligenz, aber das hat damit nichts zu tun. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass das kaum jemand beherrscht und haben deshalb angefangen, dies als Dienstleistung für Firmen anzubieten. Bisher konnten wir dies mit zwei konkreten Firmen umsetzen. Eine dieser Firmen hat uns bereits exklusiv lizenziert und kauft von uns die Softwarelizenzen in regelmäßigen Abständen. Das ist ein super Start für uns.

Welchen unternehmerischen Impact sehen Sie für Ihr Produkt?

Die Anwendungen haben vor allem Effekte hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit. Wir glauben, dass wir in der Photovoltaik – da sind wir heimisch und kennen uns aus – die Zuverlässigkeit der Solarmodule erhöhen können und erstmalig ein Tool bieten, das sowohl in der Produktion als auch im Feld ohne großen Aufwand zum Einsatz kommen kann.

In der Produktion injizieren wir die Ladungsträger elektrisch und im Feld werden diese durch Licht generiert. Man geht also wirklich nur zu einem Solarpark, zieht unseren Sensor über die Panels und kann dann etwas über den Status des Moduls aussagen. Die Daten allerdings sind hoch komplex, also ohne Machine-Learning-Algorithmen lassen sich diese schwer auswerten. Die Fraunhofer-Gesellschaft war auch sehr begeistert, sonst hätten wir nie so viel Geld bekommen.

Was schätzen Sie am Weinberg Campus?

Was ich sehr schätze ist der hohe Vernetzungsgrad, der hier auf dem Campus vorhanden ist. Soweit ich weiß, ist dies hier der größte Wissenschaftscampus in Mitteldeutschland, das gibt natürlich auch eine gewisse Atomsphäre. Man kann gut qualifizierte Mitarbeitende akquirieren. Und das Zweite, das mir an Halle (Saale) besonders gefällt ist, dass die Menschen sich hier auf Augenhöhe begegnen. Man merkt, dass der Wille nach Innovation und der Wille hier eine innovative Umgebung zu schaffen sehr hoch ist. Daran arbeiten viele Menschen hier, das gefällt mir sehr gut.

Wir hatten auch überlegt in Leipzig zu gründen oder an einem anderen Standort, aber der Technologiepark Weinberg Campus ist einfach so gut aufgestellt. Jeder kennt hier jeden und Business ist nun mal „people‘s business“. Das heißt, man muss Leute kennen, um Probleme zu lösen. Ich glaube, das hat Halle (Saale) Leipzig voraus. Außerdem sind hier alle großen Forschungseinrichtungen vertreten. Leibniz, Helmholtz, Max-Planck, Fraunhofer sowieso, die Uni – da kann man noch viel draus machen. Das ist echt eine große Stärke.

Was wünschen Sie sich aus Unternehmersicht und aus ganz persönlicher Perspektive für den Weinberg Campus?

Halle ist nicht bekannt für große Industrie und Prunkbauten. Deshalb sollte sich die Stadt und der Standort eher auf kleinere innovative Infrastrukturprojekte in Kooperation mit der hiesigen Wissenschaft konzentrieren. Als Beispiel: Ich warte schon lange darauf, dass die Stadt kostenlose Fahrräder einführt oder ein kostenloses Infrastrukturnetz. Da würde Halle ein wirkliches Statement setzen in Deutschland und nach außen positiv sichtbar werden, das würde außerdem vergleichsweise wenig Geld kosten.

Aus Perspektive des Weinberg Campus und der Stadt Halle würde ich Wege suchen, die anders sind. Ein Beispiel wäre, die Hierarchien flach zu halten, nach dem Motto: „Wir machen eure Visionen möglich“. Leipzig ist vielleicht die Stadt der kurzen Wege, aber Halle kann vielleicht die Stadt der kurzen Entscheidungswege und der flachen Hierarchien sein. Ich persönlich mache mir da schon meine Sorgen, es gibt so viele Regeln und Gesetzte und so viele Steuerabgaben. Ich glaube da scheitern viel mehr Leute dran, als man denkt.

Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP
Otto-Eißfeldt-Straße 12
06120 Halle (Saale)

E-Mail: dominik.lausch@csp.fraunhofer.de

DENKweit GmbH
Internet: www.denkweit.com

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