Prof. Dr. Thomas Herzfeld

Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
Direktor und Leiter der Abteilung Agrarpolitik

Prof. Dr. Thomas Herzfeld

Herr Prof. Herzfeld, können Sie sich bitte kurz vorstellen und etwas zu Ihrem Forschungsschwerpunkt sagen!

Mein Name ist Thomas Herzfeld. Geboren bin ich in Halle (Saale) und nach Stationen in Kiel und Wageningen (Niederlande) seit 2011 auf so nicht vorhersehbaren Wegen wieder hier gelandet. Von meiner Ausbildung her bin ich Diplom-Agraringenieur, aber ich sehe mich selber als einen interdisziplinär interessierten Agrarökonomen. Mein Forschungsschwerpunkt am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) liegt auf der Untersuchung von Veränderungsprozessen in der Landwirtschaft und ländlichen Räumen vor allem in den ehemals zentralplanwirtschaftlichen Volkswirtschaften Europas und Asiens. Genauer interessiere ich mich vor allem für Entscheidungsprozesse in ländlichen Haushalten, den Auswirkungen von Agrarpolitiken und anderen Regeln sowie die Gründe für die Änderung politischer Rahmenbedingungen, formeller und informeller Regeln. Gleichzeitig bin ich als Abteilungseiter und Mitglied des Direktoriums des IAMOs auch in viele Verpflichtungen neben der Forschung eingebunden.

Welchen Stellenwert hat Ihre Forschungsarbeit im nationalen und internationalen Kontext?

Das IAMO ist im nationalen Kontext das einzige Institut, das den Transformationsprozess im Agrarsektor und den ländlichen Räumen in der oben genannten Region untersucht. Aber auch im internationalen Kontext gibt es nur sehr wenige Universitäten, Forschungseinrichtungen oder internationale Organisationen, die diese Fragen in der thematischen und regionalen Breite abdecken. Als Institut wollen wir insbesondere die Forschenden aus der Untersuchungsregion und die Einrichtungen vor Ort unterstützen, auf internationaler Ebene sichtbarer zu werden. Die Arbeitsbedingungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind in vielen Ländern leider nicht von der Qualität, wie wir sie hier als selbstverständlich ansehen.

Als Leibniz-Institut nehmen wir für uns in Anspruch, Grundlagenforschung und eher anwendungsnahe Forschung zu verbinden und die Ergebnisse an Entscheidungsträger und das interessierte Publikum sowohl in Deutschland als auch in den Ländern Europas und Asiens zu vermitteln. Einen wichtigen Stellenwert nimmt dabei die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der FAO (Food and Agriculture Organisation of the UN), der Weltbank oder der Asian Development Bank ein, die wichtige Vermittler und Plattformen zur Kommunikation von Untersuchungsergebnissen in politische Kreise darstellen.

Welche Vorteile bietet heute die Arbeit am Weinberg Campus?

Mit unserem Institutsgebäude haben wir hervorragende Arbeitsbedingungen: vom modern ausgestatteten Büro über ein Forschungs-Informations-Zentrum bis zu Räumen für Seminare und internationale Konferenzen. Gerade in den letzten Monaten habe ich die stabile Internetverbindung besonders schätzen gelernt. Gleichzeitig bietet die Geschichte des Gebäudes und des Campus-Teils Heide-Süd als ehemalige Kaserne von Wehrmacht und Roter Armee etwas Besonderes für Besucherinnen und Besucher. Außerdem schätze ich die kurzen Wege zu den Kolleginnen und Kollegen an der Universität und benachbarten Instituten, die dennoch lang genug für eine Brise frische Luft sind.

Was wünschen Sie sich aus Sicht der Forschung und aus ganz persönlicher Perspektive für den Weinberg Campus?

Zum Einen wünsche ich mir, dass es uns gelingt, auch in Zukunft ein ambitioniertes Forschungsprogramm auf einem hohen Niveau umzusetzen, wir gut ausgebildete Forschende aus aller Welt in eine weltoffene und tolerante Umgebung locken können und das Institut auf dem Campus weiter wachsen kann. Als Forschender und Lehrender an einer sozialwissenschaftlichen Einrichtung in einer eher naturwissenschaftlich geprägten Umgebung habe ich zum Anderen die Vision, die Agrarökonomie an der MLU wieder personell zu stärken und die sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Netzwerke am Campus auszubauen. Könnte zum Beispiel das derzeit in der Diskussion befindliche Institut zur Erforschung des Umbaus der Braunkohleregion nicht am Campus angesiedelt werden?

Fällt Ihnen eine Begebenheit ein, die Sie mit dem Weinberg Campus verbinden?

Als Kind und Jugendlicher sehe ich immer noch die grau-grünen Tore an den Einfahrten und die trostlosen Fenster der Gebäude an der Heideallee vor mir. Das Ensemble ist heute ein wunderbares Beispiel für eine erfolgreiche Konversion in einem zusammengewachsenen friedlicheren Europa. In besonderer Erinnerung ist mir der Festakt zum 20-jährigen Gründungsjubiläum des IAMO (November 2014), der durch den Fund und die Sprengung eines Blindgängers zum Glück nicht allzu sehr beeinträchtigt wurde. Derartige Überraschungen bleiben hoffentlich auch in der Zukunft sehr selten.

(Das Gespräch fand im August 2020 statt.)

Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

Theodor-Lieser-Straße 2
06120 Halle (Saale)

Telefon: +49 (345) 2928-100
E-Mail: herzfeld@iamo.de

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