Marco Götze und Tobias Hedtke

Gründungsteam matriheal
Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Foto: Michael Deutsch

Tobias und Marco, könnt ihr euch und euer Gründungsvorhaben bitte kurz vorstellen!

Tobias: Mein Name ist Tobias Hedtke, ich bin 29 Jahre alt und habe an der Martin-Luther-Universität in Halle Biochemie studiert. Seit 2017 promoviere ich am Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS und beschäftige mich mit der Aufklärung der molekularen Struktur des extrazellulären Strukturproteins Elastin. Die Erkenntnisse nutzen wir zur Entwicklung und Charakterisierung elastinbasierter Biomaterialien. Über das Thema meiner Promotion hinaus haben wir in unserer Arbeitsgruppe am Fraunhofer IMWS Mitte 2016 damit begonnen, einen Prozess zu entwickeln, der es ermöglicht, Elastin effizient und in großer Menge zu isolieren und für die Weiterverarbeitung aufzubereiten. Mithilfe dieser Methoden sind wir in der Lage, innovative und neuartige Materialien für medizinische Anwendungen herzustellen. Darauf basiert auch unser Ausgründungsprojekt "matriheal", mit dem wir unsere Materialien als Medizinprodukte, speziell für die Wundversorgung, in den Markt bringen wollen.

Marco: Ich bin Ingenieur und beschäftige mich seit vielen Jahren mit der Weiterverarbeitung von Nanofasermaterialien für die regenerative Medizin. Solche Nanofasermaterialien besitzen einzigartige Eigenschaften, wie z. B. die große Porosität und ein Nanofasernetzwerk, das für Zellen in menschlichem Gewebe besonders interessant ist. Solche Nanofasermaterialien aus Elastin sind es auch, die wir für eine verbesserte Wundheilung verwenden können und die zu unseren innovativsten Produkten zählen. Generell versuchen wir am Fraunhofer IMWS möglichst anwendungsnahe Forschung zu betreiben. Da ist es nur konsequent, die entwickelten Lösungen über Ausgründungen oder Lizenzen in den Markt zu bringen.

Welchen unternehmerischen bzw. gesellschaftlichen Impact seht ihr für euer Produkt?

Tobias: Reines Elastin ist bis heute nicht in größeren Mengen am Markt verfügbar, sodass es in der Pharma-, MedTech- oder Kosmetikindustrie bisher keine Rolle spielt. Elastin bringt aber in vielen Bereichen im Vergleich zu dem bereits etablierten Kollagen entscheidende Vorteile bzw. Erweiterungen des Wirk- oder Funktionsspektrums mit sich. Daher ist es ein sehr interessanter Rohstoff, den wir auf dem Markt verfügbar machen wollen und der mit unseren Produkten auch einen neuen Ansatz in der Behandlung von Wunden etablieren soll. Wir verfolgen das Ziel, mit unseren innovativen Produkten vor allem die Behandlung komplexer und chronischer Wunden zu vereinfachen, die Behandlungszeit deutlich zu verkürzen und damit auch den Leidensdruck der PatientInnen zu mindern.

Was schätzt ihr am Weinberg Campus?

Tobias: Ich habe am Weinberg Campus schon immer geschätzt, dass hier alle naturwissenschaftlichen Institutionen ansässig und miteinander vernetzt sind. In meiner früheren Tätigkeit am Institut für Pharmazie und auch bei meiner jetzigen Arbeit am Fraunhofer IMWS ist es immer wieder erfreulich zu sehen, dass man durch viele nette Kontakte und Kooperationen kaum einem Problem begegnet, für das man am Weinberg Campus keine Lösungen findet.

Marco: Mich hat vor allem beeindruckt, wie viele kleine und hochinnovative Firmen und Startups es hier neben den großen Instituten und Forschungseinrichtungen gibt. Die meisten haben ebenfalls einen MedTech- oder naturwissenschaftlichen Hintergrund und ähnliche Erfahrungen wie wir in den letzten Monaten gemacht. Dadurch entsteht eine spannende Atmosphäre, die einen durchaus noch einmal zusätzlich motiviert.

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, am Weinberg Campus Accelerator teilzunehmen?

Tobias: Durch das interne Technologietransferprogramm AHEAD, das von Fraunhofer Venture organisiert und in dessen Rahmen unsere Idee finanziell gefördert wird, konnten wir bereits verschiedene und umfassende Einblicke in die Startup-Welt bekommen. Das Accelerator-Programm des Weinberg Campus stellte eine passende Ergänzung dazu dar und behandelte zudem viele der MedTech-spezifischen Themen ausführlicher und tiefgründiger. Wir sind froh, dass wir durch das Accelerator-Programm unser Wissen vertiefen und entscheidend erweitern konnten.

Welche Vorteile bietet das Programm für euch? Wie konnte es euch helfen?

Tobias: Ein entscheidender und besonders wertvoller Vorteil dieses Programms sind die individuellen Einzelcoachings, die themenspezifisch angeboten wurden. In diesen Sessions hatten wir die Möglichkeit, über mehrere Stunden mit einem Experten bestimmte Themen im Kontext der eigenen Gründungsidee zu bearbeiten und zu diskutieren. Wir haben in einem solchen Coaching beispielsweise eine Roadmap erarbeitet, die uns die einzelnen Schritte vom Demonstrator aus dem Labor bis zum zugelassenen Medizinprodukt zeitlich und finanziell einordnet. Ein weiterer Vorteil war die überschaubare Klassengröße und die damit einhergehende Möglichkeit, auch während der Workshops stets die Möglichkeit für detaillierte Fragen und Diskussionen zu haben.

Marco: In meinen Augen ist einer der größten Vorteile des Accelerator-Programms das Netzwerk, das man als Startup aufbauen kann. Wir erhielten zum einen Kontakte zu den Coaches, die allesamt Fachleute auf ihrem Gebiet sind und selbst über langjährige Erfahrung und ein großes Netzwerk verfügen, und die uns unbedingt helfen wollten, erfolgreich zu werden. Zum anderen, und das ist für ein Startup nicht unwichtig, konnten wir uns potenziellen Investoren präsentieren und bekamen auch noch die notwendige Vorbereitung dafür.

Warum sollten aus eurer Sicht andere Startups oder Gründungsprojekte an dem Weinberg Campus Accelerator teilnehmen?

Tobias: Aus meiner Sicht bietet das Accelerator-Programm vor allem für "Startup-Neulinge", so wie wir es sind, einen großen Mehrwert, da man im Rahmen des Programms umfangreiches Wissen zu den verschiedensten Startup- und MedTech-Themen vermittelt bekommt. Zudem haben wir in den Coachings praktische Werkzeuge mit auf den Weg bekommen, die uns die Umsetzung unserer Idee, vor allem hinsichtlich regulatorischer Aspekte, erleichtern werden. Ich empfehle jedem lokalen MedTech-Start-Up am Accelerator-Programm teilzunehmen.

Was wünscht ihr euch aus Unternehmersicht und aus ganz persönlicher Perspektive für den Weinberg Campus?

Tobias: Ich wünsche mir, dass in Zukunft weiter und umfassender in den Standort investiert wird, damit fortwährend Innovation am Weinberg Campus geschaffen werden kann und die nationale sowie internationale Sichtbarkeit weiter steigt.

Fällt euch eine Begebenheit ein, die ihr mit dem Weinberg Campus verbindet?

Tobias: Da seit 2011 mein gesamter wissenschaftlicher und beruflicher Werdegang eng mit dem Weinberg Campus verbunden ist, habe ich durchweg nur positive Assoziationen und hoffe, auch in Zukunft viele weitere schaffen zu können.

Marco: Ich persönlich bin seit meiner Kindheit mit dem Standort verbunden. Meine Eltern haben in der Nähe einen Garten, in dem ich den Großteil meiner Sommer verbracht habe. Und auch heute erkenne ich noch vieles von damals. Auch hat meine Frau hier studiert und ich habe sie dort oft abgeholt. Meine Tochter ist im Uniklinikum zur Welt gekommen. Fast jedes Jahr bin ich mit meinem Neffen hier zur Langen Nacht der Wissenschaft unterwegs und jetzt arbeite ich sogar da. Kurzum, es ist ein besonderer Ort für mich und ich freue mich, wenn er weiter gesund wächst, ohne seinen Charakter zu verlieren.

(Das Interview wurde im Herbst 2020 geführt.)

Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS
Gründungsteam matriheal (links: Tobias Hedtke, rechts: Marco Götze)
Walter-Hülse-Straße 1
06120 Halle (Saale)

Telefon (Tobias Hedtke): +49 (0) 345 55 89-287
Telefon (Marco Götze): +49 (0) 345 55 89-268

Internet: www.matriheal.com

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